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Die Sache mit den -40C ....

  • Peter_Kamper
  • January 28, 2024 at 8:07 AM

There are 6 replies in this Thread which has previously been viewed 2,749 times. The latest Post (January 29, 2024 at 1:48 AM) was by Peter_Kamper.

  • Peter_Kamper
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    • January 28, 2024 at 8:07 AM
    • #1

    Nur mal so...
    -40C gleichen -40F.

    Während ich als erstes erklären will wie ‘Fahrenheit’ funktioniert, werde ich mich auf’s nötigste in Kurzform beschränken:

    Fahrenheit war ein Wissenschaftler, der im spätem 19. Jahrhundert beschloss ein Mix aus Alkohol und Wasser zu schaffen der bei einer gewissen Temperatur einfrohr.

    Fuer null Fahrenheit (seinen ‘Gefrierpunkt) nahm er die kälteste Temperatur, die es in jenem Jahr vor der Tür seines Hauses im Schwarzwald gab. Das waren dann wohl -18C . Hurrah !??

    Als 100 Grad Fahrenheit setzte er die normale Körpertemperatur des Menschen an. Eine brillante Idee ?

    Wie wir heute wissen, ist die durchschnittliche Körpertemperatur des Menschen 98.5 Grad Fahrenheit. Damit hat er also nicht nur seine 100 Grad Fahrenheit falsch angesetzt, sondern 0 Grad als eine Temperatur irgendwo im Schwarzwald während eines kalten Winters gewählt.

    Dies ist was die USA dann später als einziges Land Nordamerikas (der Welt?) zur Temperaturmessung benutzte und dies heute noch tut. Eher traurig.

    Wer verwirrt ist aber mit Fahrenheit umgehen muss (wie ich), kann sich folgendes merken: -40C sind -40 Fahrenheit und 16C sind 61 Fahrenheit (man dreht die Zahlen einfach um). 0C ist 32F. 0F sind -18F.
    Ok, um genau zu sein, sind 0F -17.58 C. Was auch immer...

    Die Moral der Geschichte: Ein langer Winter im Schwarzwald konnte damals im 19. Jahrhundert anscheinend zu recht dummen Gedanken führen.
    Soweit dazu...

    -

    Nun aber zum Punkt:

    Gestern Nacht waren es auch bei uns -41C (-43F).

    Solange kein Wind weht ist dies nicht so schlimm.

    Klar: Kopfmaske, gute Handschuhe und ein einteiliger Anzug helfen, wenn man länger draussen sein will.

    Fuer diejenigen, die hier in Alaska leben, Vorsichtsmassnahmen treffen und fuer Outdoor-Aktivitäten ausgerüstet sind ist dies allerdings kein wahres Problem.

    Wer warm bleibt, muss sich über längere Zeit eigentlich nur über Unterwässerung Sorgen machen. Bei -40C liegt hier die Luftfeuchtigkeit normaler Weise weit unter 20%. Dies heisst, dass man mit jedem Atemzug (der Nebel, der beim Ausatmen aufsteigt) ein paar Tropfen Wasser verliert.

    Interessanter Weise haben Teste bewiesen, dass das Durstzentrum im Gehirn bei extrem kalten Temperaturen den Menschen nicht wirklich vorwarnt.

    So gibt es z.B. auf den Erdölfeldern nördlich der Brooks Range jedes Jahr Menschen, die auf Grund von Dehydration am Job kollabieren.

    Sie spüren den Durst in der Kälte nicht wirklich bis der Kreislauf zusammen bricht. Oft muss man dort die Farbe seines eigenen Urins angucken um heraus zu finden wie es um den eigenen Körper steht… oder eben einfach Wasser trinken ohne es zu ‘wollen’.

    Es ist auch einer der Gründe wieso bei Schlittenhunderennen nicht nur fuer Musher sondern auch fuer die Hunde ein Sprichwort steht und meist dreimal gesprochen wird:

    Trinke, trinke, trinke !

    Als ich früher Dogdrop Manger in Mile 101 war, sprach ich diese Warnung sicherlich hunderte von Malen aus.

    Natürlich kümmern sich Musher darum, dass ihre Hunde trinken, vergessen sich aber oft selbst auch wenn die Warnzeichen von Entwässerung schon klar sichtbar sind. Bei Kälte muss man trinken, egal ob man sich danach fühlt oder nicht.

    Manchmal muss man sich dazu zwingen etwas nahrhaftes zu essen, da oft auch das Hungergefühl nicht ganz so funktioniert wie es das zuhause vor dem Kühlschrank tut.

    Ich erinnere mich noch an eine lang vergangene Motorschlittentour mit Carsten Thiess. Wir hielten unverhofft bei -40C in blitzendem Sonnenschein mitten auf dem Eis des Yukon River an: “Jetzt essen wir was.” - “Ich hab keinen Hunger”, meinte ich.

    “Wir essen jetzt. Der Bauch sollte immer gefüllt sein. Man weiss nie was passiert.” Carsten war eher streng in dem was er wollte.

    Also haben wir dann ein paar fettige Würstchen auf dem Auspuff seines laufendem Motroschlittens gebraten.

    40 km und 90 Minuten später blieb ich mit meinem Motorschlitten im Overflow stecken und arbeitete lange daran die Maschine wieder auf den Trail zu bringen.

    Die Würstchen haben dabei mit Sicherheit geholfen, denn ansonsten wäre ich zu diesem Zeitpunkt sicherlich hungrig und damit auch eher schlapp gewesen.

    Dies sind kleine Lektionen die aber (ohne dramatisch klingen zu wollen) weit entfernt von jeder Siedlung eventuell über Leben und Tod entscheiden.

    Der Rest der Sache ist wie gesagt wirklich nur eine Frage guter Ausrüstung und der Weisheit und Vorsicht derjenigen Menschen, der sie benutzten.

    -40C sind ohne Zweifel fuer all die machbar, die ein paar Tricks berücksichtigen sowie Vorsicht und Vorbereitung vor Torheit stellen.

    Weit draußen wartet ansonsten nichts anderes als der Tod. Und nein, auch dies ist nicht dramatisch gemeint. Es ist nichts anderes als eine gut gemeinte Warnung.

    -

    In meinem Falle:

    Ich bleibe im Augenblick zuhause, backe Brot, füttere die Vögel und Eichhörnchen, sitze zu Weilen am Computer und spiele mit meinen Enkeln im Wohnzimmer während wir den Holzofen geniessen.

    Alles hat seine Zeit, und auch -40C machen Sinn.

    Ohne die langen Kälteperioden würde Alaska wie Kalifornien ganzjährig von Touristen überrannt werden. Der lange Winter schützt das Land und auch das Leben, das wir hier geniessen.

    Wenn das Thermometer auf -40C sinkt, muss ich lächelnd nicken. Diese ‘gar schrecklichen’ Temperaturen sind das einzige das unseren Staat, unsere Flüsse, unsere Wälder und unsere Lebensart vor einer Überbevölkerung schützt.

    Somit bin ich dankbar, dass man über -40 Grad Celsius in Alaska redet.

    Dankbar dafür, dass dies fuer viele eine undenkbare Temperatur ist, und dankbar dafür, dass uns das Land damit vor all dem schützt was vielleicht kommen wird.

    Peter :winking_face:

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    • January 28, 2024 at 8:42 AM
    • #2

    Hallo Peter,

    danke für diese Übersicht. War zwar alles nicht neu für mich, aber die Zusammenstellung macht's.

    Schmunzeln musste ich beim Aspekt der Selbstregulation von Touristenströmen.

    Bisher habe ich als tiefste Temperaturen (ohne Windchill) -38°/-39°C erlebt.

    Als ich 2020 beim YQ in Dawson war, hatte ich gehofft, 1x "below forty" zu erleben. Leider blieb damals die Temperatur "nur" um die -30°C stecken. Es interessiert mich eben. Allerdings nicht so sehr, daß ich dafür extra noch mal 15 Std. plus an Flug auf mich nehmen würde.

    Denn nach wie vor stellen die verbliebenen Restrennen des YQ keine zusätzliche Motivation für mich dar, dafür Zeit & Geld zu investieren. Da plane ich schon mal lieber für's FL1200 in 2025. 😉


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    Wer sagt,Glück kann man nicht anfassen, hat noch nie einen Hund gestreichelt ! (div. Quellen)
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    • January 28, 2024 at 9:43 AM
    • #3

    Hallo Peter, wieder ein sehr schöner Bericht. Und ich wundere mich immer wieder, wie rückständig die Amerikaner sind (nicht nur beim Thema Fahrenheit) und sich trotzdem in aller Welt als Technik- und Fortschritts-Nation präsentieren.

    Da muss ein sehr grosses (überhöhtes) Selbstbewusstsein dahinter stecken. :grinning_face_with_smiling_eyes:

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    • January 28, 2024 at 11:34 AM
    • #4

    Hallo Peter,

    wie immer sehr gut geschrieben....................................

    Danke Dir dafür.

    Gruß Husky_Heinz:smiling_face::smiling_face::thumbs_up::thumbs_up:

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  • Boemby
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    • January 28, 2024 at 1:54 PM
    • #5

    Danke für deinen Einblick.

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  • alaskadeutscher93
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    • January 28, 2024 at 4:41 PM
    • #6

    Moin Peter,

    ich möchte auch ein paar Worte der Anerkennung für Deinen in meinen Augen doch recht aufschlußreichen Bericht in Sachen Fahrenheit los werden.

    Mein erster Ak-Bescuch war März 1993 anlässlich der Sleddog-WM in Fairbanks. Angenehme minus 15-20° Celsius über Tag. Ich habe auf einer der Tribünen in der Sonne gesessen, ein fach super. Da ich empfänglich bin für Viruskrankheiten, war ich nach der Infizierung durch das Alaskavirus im November 1993 wieder für 3 Wochen in dem schönen Land. Diesmal aber nur bei Freunden Im Raume Delta Junction. Diese sind in 1975 von San Diego nach Landkauf dorthin gezogen. Meine liebste Reisezeit war der Winter. So auch wieder im Nov./Dec. 1995. Diesmal mit einem meiner Söhne.

    In dieser Zeit war es wohl einer der härtesten Winter, den unsere Freunde dort erlebt haben. Auch wir konnten uns davon selbst überzeugen, denn wir hatten an mehreren Tagen und Nächten hinter einander minus 50 -53° Celsius. Es ist kein Witz, aber wir haben abends auf den eigentlich üblichen

    Drunk/Schlummertrunk verzichtet, um nachts nicht raus aufs outhouse zum P-machen zu müssen. Damals hatten die Freunde noch kein Bad in ihrer Hütte. Aber geschadet hat es uns auch nicht, solche Temperaturen mitzuerleben. Okay

    Wenn ich aber dann gestern abend bei einem Telefongespräch mit Delta Junction höre, dass zur Zeit um die minus 35°Celsius dort sind, bin ich doch froh, hier zu leben. Was nicht heißen soll, dass ich nicht wieder mal gerne in Alaska wäre. !!!

    Ansonsten muss es hier sagen, ich bin natürlich was Viren angeht, resistent nach einer im Alter von 13 Jahren gut überstandenen Hirnhautentzündung

    Ansonsten finde ich Deine Tätigkeiten während der kalten Jahreszeit in Ordnung. Ich hab früher auch gerne mit meinen Enkeln im warmen Wohnzimmer gespielt. Ich wünsche Dir weiterhin eine gute Zeit.

    North To Alaska, alaskadeutscher93

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  • Peter_Kamper
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    • January 29, 2024 at 1:48 AM
    • #7

    Lieben Dank fuer die Kommentare.
    Heute morgen gegen 6 Uhr wurde ich unsanft vom Klingeln meines Telefons geweckt. Einer meiner Huetten-Mieter sagte, dass ihre Oelheizung nicht mehr funktionieren wuerde. Der Fehler konnte nur draussen in der Oelleitung liegen, wo manchmal Wasser im Oel die Leitung blockieren kann.
    Als ich leise fluchend aus dem Bett stieg, dachte an das was ich in der vorhergehenden Nacht geschrieben hatte.
    Naja, also T-Shirt Hoody und Jogginghose angezogen, Handschuhe raus gekramt, mein 'Refrigiwear' (ein einteiliger arktischer Ganzkoerper-Anzug) angezogen, Gesichtsmaske und Kopflampe aufgesetzt und raus.
    Ein kurzer Blick auf's Thermometer sagte mir, dass es -44F (ca. -42F) waren.
    Um ehrlich zu sein war das gar nicht so schlimm.
    Die Heizung habe ich innerhalb von 30 Minuten repariert und dabei eigendlich wirklich nicht gefrohren.
    Es bedarf also keinen Helden um bei -40C draussen zu arbeiten. Es bedarf nur vernuenftige Ausruestung.
    @ alaskadeutscher:
    Autsch... -50C ist schon eine Marke hoeher als das, was wir hier hatten. Aber selbst bei den Temperaturen sollte man ganz kurz ein Loch in den Schnee pinkeln koennen falls man genuegend Druck aufbaut. :winking_face:
    Snowdog:
    Gebe dir vollkommen Recht.
    Ansonsten ergeben -39F und -44F wirklich keinen erkennbaren Unterschied.
    Scheisskalt ist eben einfach Scheisskalt. :smiling_face:
    BeateR:
    Ja, .... die Amerikaner haben sich tolle Messungen ausgesucht.
    Frag mal ein Schulkind wieviel Yards in einer Meile sind.... Keiner weiss das. Die Erwachsenen auch nicht.
    Antwort: 1760 !
    Bei uns sind 1000 Meter in einem Kilometer. Fast jeder weiss das. Das kann man sich auch leicht merken.
    1760 ??? Was zum Teufel....
    Die spinnen, die Amerikaner. :winking_face:
    Nur so meine Meinung.

    Viele Gruesse an Alle,
    Peter

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